logo

In den kommenden 12 Monaten werden Detailhändler mehr als CHF 1,5 Milliarden an Einkaufsvolumen in die Schweiz verlagern, so eine neue Studie des global tätigen Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal (A&M), die in Zusammenarbeit mit Retail Economics erarbeitet wurde. Dies wäre ein bedeutender Impuls für den Schweizer Produktions- und Verarbeitungsstandort.

COVID-19 hat Detailhändler in ganz Europa vor neue Herausforderungen gestellt, Schwächen in globalen Lieferketten zum Vorschein gebracht und damit viele Unternehmen dazu veranlasst, ihre Beschaffungsstrategien zu überdenken. Fast drei Viertel (70%) der 30 grössten europäischen Detailhändler geben an, dass sie als direkte Folge der Pandemie eine Überprüfung ihrer Lieferketten durchgeführt haben.

Aus derselben Gruppe von Detailhändlern haben mehr als die Hälfte (55%) bereits begonnen, ihre Lieferketten zu diversifizieren, 29% planen dies innerhalb der nächsten 12 Monate noch zu tun. 14% beziehen bereits jetzt schon mehr Waren aus der heimischen Wirtschaft, wobei fast die Hälfte (42%) dies in den nächsten 12 Monaten plant.

Claudio Cervellati, Managing Director von A&M Schweiz, sagt: «COVID-19 hat eine Reihe neuer finanzieller und logistischer Herausforderungen mit sich gebracht, welche die Detailhändler bewältigen müssen. Gleichzeitig müssen sie sich den permanenten Veränderungen im Verbraucherverhalten anpassen. Unsere Studie zeigt, dass die meisten Detailhändler trotz neuer Herausforderungen schnell reagieren, neue Wachstumschancen innerhalb ihrer nationalen Wirtschaft generieren und sich vor künftigen Risiken schützen.»

«Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft stellt für Detailhändler eine Bewährungsprobe dar. Der Strukturwandel hin zum Online-Shopping wird den Verkauf unter ausserordentlichen Druck setzen. In einigen Fällen werden wir sehen, dass das Angebot nicht der Nachfrage entspricht. Zudem könnten die Distanzregeln eine Belastung für den stationären Detailhandel bedeuten. Diese müssen in den Wochen vor Weihnachten einen stetigen Umsatz liefern, um den üblichen Ansturm in letzter Minute einzudämmen.»

Unternehmen fokussieren auf nachhaltige Lieferketten

Detailhändler sehen sich gezwungen ihre zukünftigen Lieferketten neu zu bewerten. Diesnicht nur um die unmittelbaren, Pandemie-bedingten Herausforderungen zu überwinden,sondern gleichzeitig um auch strukturelle Anpassungen vorzunehmen bzw. veränderteKonsumentenpräferenzen in Zukunft zu erfüllen.

Nachdem der erste Schock der Pandemie überwunden ist, überlegen sich Unternehmen und Regierungen, wie sie sich neu positionieren sollen, wobei Nachhaltigkeitsaspekte (ESG) eine wichtige Rolle spielen. 70% der befragten Detailhändler haben bereits damit begonnen, ihre Warenbeschaffung zu diversifizieren, die restlichen 30% planen dies in der Zukunft. 

Ein Teil dieser Pläne sieht auch das sogenannte «On-Shoring» vor, d.h. die Lieferanten näher zu den Konsumenten zu verlagern. 46% der befragten Detailhändler geben an, dass sie bereits mehr aus der heimischen Wirtschaft beziehen, während 39% dies in Zukunft beabsichtigen.

Schweizer Konsumenten 

Auch Konsumenten wünschen sich mehr ethisch einwandfrei hergestellte Produkte. Die Hälfte (55%) der Schweizer Konsumenten gibt an, dass sie bereit wären, mehr für Produkte aus der Schweiz zu bezahlen, um zur Erreichung der CO2-Emissionsziele beizutragen. Weitere 21% würden dies tun, wenn es keine Auswirkungen auf den Preis gäbe.

Alessandro Farsaci, Managing Director A&M Switzerland, fügt hinzu: «Das Detailhandelsgeschäft steht am Anfang eines neuen Zeitalters. COVID-19 hat einen Trend beschleunigt, der bereits seit einiger Zeit in Bewegung ist. Das Paradigma Kosten vs. Ertrag ist weniger anwendbar, da die Detailhändler ihre Lieferrisiken reduzieren, indem sie ihre Lieferanten diversifizieren und näher an ihre Endmärkte führen. Damit können sie einerseits schneller auf Nachfrageveränderungen und andere Bedingungen reagieren. Zudem bevorzugen immer mehr Verbraucher nachhaltige und ethische Geschäftsmodelle. Wir müssen auf solche Veränderungen in den kommenden Jahren, wenn nicht gar Monaten, vorbereitet sein.»

Quelle und die komplette Studie «The Future of Retail Supply Chains» finden Sie https://www.alvarezandmarsal.com/sites/default/files/the_future_of_retail_supply_chains.pdf